Rede zur Jugendweihe am 02. Juni 2018

Liebe Jugendliche bzw. fast Jugendliche, liebe Eltern, Großeltern und Verwandten, liebe Lehrerinnen und Lehrer,

ich spreche nicht oft bei Jugendweiheveranstaltungen und freue mich umso mehr darüber, heute hier stehen zu dürfen. Obwohl ich als Landtagsabgeordneter viele Reden halte, ist es auch für mich ein ganz besonderer Moment, an einem solchen Tag, auf den Ihr Euch zusammen mit Euren Eltern und Großeltern wochen- und monatelang vorbereitet habt und auf den Ihr sicher in den letzten Tagen hingefiebert habt, zu sprechen. Auch bei einem meiner Kinder steht in der nächsten Zeit eine Jugendweihe an. Daher kann ich die Vorfreude auf der einen und die Anstrengungen auf der anderen Seite gut nachvollziehen.

Als erstes möchte ich Euch allen ganz herzlich zur Jugendweihe gratulieren. Wenn ich durch die Reihen blicke und sehe, wie festlich Ihr alle gekleidet seid, dann wird mir einmal mehr die Bedeutung des heutigen Tages bewusst.

Mit der Jugendweihe öffnet sich das Tor zum Erwachsenwerden. Doch was genau bedeutet der heutige Tag? Geht das Leben erst ab heute richtig los? Ist die Jugendweihe nur eine nette Entschuldigung, um die Familie mal wieder zu sehen oder Geschenke zu bekommen?

Verliebt waren die meisten von Euch sicher schon mindestens einmal und Horrorfilme kennt der ein oder andere vielleicht besser als seine Eltern. Was kann also noch kommen? Was wartet  auf der anderen Seite des Tors?

Wahrscheinlich werden viele von Euch morgen keinen Unterschied fühlen. Vielleicht fühlt Ihr Euch etwas voller vom ganzen Essen oder unausgeschlafen, weil die Feier doch bis in die späten Abendstunden dauerte. Aber Erwachsener? Nein, wahrscheinlich nicht.

Das Erwachsenwerden ist ein langer Prozess, der Schritt für Schritt abläuft. Ihr werdet vielleicht merken, dass Eure Eltern und Lehrer langsam aber sicher weniger für Euch und mehr mit Euch entscheiden werden. Ihr könnt Euch in Zukunft auf mehr Freiheiten freuen. Statt Verboten wird es mehr und mehr Ratschläge geben, wie ihr Euch in unserer Welt selbstständig zurechtzufinden könnt.

Dabei werdet ihr schnell mitbekommen, dass mit dem Erwachsenwerden, mit den Freiheiten und mit dem größeren Vertrauen in Euch auch eine neue Verantwortung für Euch einhergeht. Was man Kindern noch durchgehenlassen kann, weil sie unvernünftig sind, geht bei Erwachsenen nicht mehr. Ihr werdet lernen müssen, für Eure Entscheidungen auch selbst einzutreten. Ihr werdet auch weiterhin die Wahl haben, Euch für oder gegen etwas zu entscheiden, müsst aber zukünftig auch immer an die Konsequenzen die aus der getroffenen Entscheidung erwachsen denken. 

Was ich damit sagen will ist: Die Freiheit des Erwachsenseins ist etwas Wunderschönes, aber man muss auch damit umzugehen lernen. Natürlich werden Euch Eure Eltern, Großeltern, Verwandten und Lehrer auch weiterhin tatkräftig dabei unterstützen, die Weichen für Euer Leben zu stellen, die Hauptverantwortung dafür liegt nun allerdings bei Euch selbst.

Was ihr heute neben den Geschenken sicher am häufigsten bekommen werdet sind gutgemeinte Ratschläge. Auch wenn ich die Befürchtung habe, dass an einem so besonderen Tag mit all seinen Highlights die Festrede als erstes vergessen sein wird, möchte auch ich Euch meine fünf wichtigsten Erfahrungen für den kommenden Lebensabschnitt mitgeben – von Erwachsenem zu Erwachsenen sozusagen.

 

Die fünf Erfahrungen:

1. Habt einen langfristigen Plan im Leben, aber überseht dabei nicht passende Abzweigungen und nehmt die Chancen wahr, die Euch geboten werden.

Erklärung:

Das Leben verläuft nie so, wie geplant. Nach meinem Schulabschluss und meinem Studium zum Bauingenieur hätte ich niemals damit gerechnet, dass ich einmal als Landtagsabgeordneter vor Euch stehe würde. Als der Moment dann kam und ich im Jahr 2008 gefragt wurde, ob ich für den Landtag kandidieren möchte, habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und lang über diesen Schritt nachgedacht. Im Nachhinein bin ich allerdings sehr froh, diese Möglichkeit ergriffen zu haben, auch wenn sie eine komplette Umkrempelung meines Lebens bedeutet hat. Es warten viele unerwartete Möglichkeiten auf Euch und es liegt in Eurer Hand, diese beim Schopf zu packen.

2.  Arbeitet hart für Eure Ziele und Wünsche, aber vergewissert Euch dabei immer Eurer Wurzeln und setzt die richtigen Prioritäten.

Erklärung:

Natürlich ist schulischer und später beruflicher Erfolg wichtig für Euch persönlich und für unsere Gesellschaft als Ganzes. Wir brauchen Menschen die Ideen entwickeln und umsetzen, Unternehmen gründen oder erfolgreichen Firmen mit ihrem Know-How weiterhelfen. Ich möchte Euch ermutigen, für Eure Wünsche und Ziele zu kämpfen, sei es in der Schule, in der Ausbildung, auf der Universität oder später im Beruf. Allerdings basiert langfristiger Erfolg immer auf einem ausgeglichenen Privatleben und einer persönlichen Zufriedenheit. Das habe ich gelernt. Hört deshalb immer auf Eure Familien, Freunde und Partner und befolgt deren Rat.

3. Habt eine eigene Meinung.

Erklärung:

Eine eigene Meinung zu haben ist gar nicht so einfach. Denn um sich eine Meinung bilden zu können muss man sich zunächst mit einem Thema und anderen Meinungen auseinandersetzen und diese für sich selbst bewerten. 

Wenn ich nun sage, Ihr sollt eine eigene Meinung haben meine ich, bildet Euch eine fundierte Meinung zu Themen, die Euch bewegen. Erzählt nicht nur nach, sondern lest, hört zu, denkt nach und entscheidet dann für Euch, was richtig ist und was falsch. Wenn ihr Euch Eure Meinung gebildet habt, dann verteidigt sie, aber seid nicht zu stolz, sie bei einer veränderten Faktenlage zu korrigieren.

Wir brauchen kein Volk von Ja-Sagern, sondern intelligente Menschen mit einer eigenen Meinung. Nur wenn wir unsere Probleme aus unterschiedlichen Richtungen betrachten, können wir sie gemeinsam lösen.

4. Ändert die Dinge, die ihr Ändern könnt.

Erklärung:

Ich möchte Euch dazu ermutigen, Probleme mutig anzugehen, Missstände offen zu kritisieren und stets nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Engagiert Euch! Helft anderen! Übernehmt Verantwortung!

Nur wenn es mehr Menschen gibt, die Verantwortung  übernehmen, egal ob in der Feuerwehr, in einem Verein oder im Freundeskreis, wird sich unsere Welt auch positiv weiterentwickeln.

Natürlich hat das auch viel mit Eurer Meinung zu tun. Wichtig ist aber immer, dass Ihr etwas tut und das nicht den anderen überlasst. Denn was schon damals Erich Kästner wusste, gilt auch noch heute: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

5. Schätzt Eure Lehrer.

Erklärung:

„Respektiert Eure Lehrer“! Und damit meine ich nicht nur Eure Lehrer in der Schule, sondern alle Lehrer, die Euch auf die Aufgaben des Lebens vorbereiten, also auch Eltern, Großeltern, Sporttrainer, Musiklehrer oder Freunde. Lehrer sind zentral für unsere menschliche Geschichte. Ohne Lehrer würden wir heute noch jagen und sammeln. Dabei gehört es gerade zu den wichtigsten Aufgaben von Lehrern, auch unbequeme Dinge auszusprechen und Euch manchmal zu Eurem Glück zu zwingen. Respektiert Eure Lehrer, denn ohne sie würdet ihr heute nicht hier sitzen und sie sind maßgeblich an Eurem Erfolg beteiligt.

 

Liebe junge Erwachsene,

ich wünsche Euch das Allerbeste für diese neue und sehr wichtige Lebensphase.

Nutz Eure Energie, Eure Ideen und Eure frischen Perspektiven, um gestalterisch tätig zu werden. Habt den Mut, Euch aktiv in unserer Gesellschaft einzubringen, hinterfragt ruhig auch die manchmal festgefahrenen Strukturen und bildet Euch eine eigene Meinung. Unsere Gesellschaft lebt von neuen Ideen und anderen Sichtweisen. Mir fällt hier immer das Sprichwort ein; Alle haben gesagt das geht nicht. Dann kam einer der wusste nicht das es nicht geht und hat es einfach gemacht.

Ihr seid die Zukunft unserer Gesellschaft und habt das Recht und die Verantwortung, diese mitzugestalten.

Von dem heutigen Tag an werdet ihr merken, wie Ihr mehr und mehr Entscheidungen treffen müsst, für die es keine Hinweisschilder gibt.

 

Liebe Eltern, Großeltern und Familienmitglieder,

es macht stolz und es ist ein bewegendes Gefühl, seinen Kindern beim Erwachsenwerden zuzuschauen. Allerdings ist es oftmals auch nicht einfach, wenn Kinder plötzlich unabhängiger werden. Viele von Ihnen wissen das bereits.

Heute fällt es Ihnen sicher schwer, zu glauben, dass die jungen Damen und Herren jene Kinder sind, denen noch vor nicht allzu langer Zeit die Tränen getrocknet, Schuhe gebunden oder Schulbrote geschmiert werden mussten.

Es ist jetzt an der Zeit, lieber Eltern und Großeltern, dass sie lernen loszulassen, damit Ihre Kinder ihren eigenen Weg finden. Trotzdem bleibt es auch weiterhin sehr wichtig, dass Sie Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie unterstützen und auch sicher ab und an noch trösten und erziehen.  Die Entscheidungen werden Ihre Kinder aber zunehmend allein treffen. Davor müssen Sie keine Angst haben, denn ich bin mir sicher, dass Sie bisher eine sehr gute Arbeit geleistet haben.

In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit, wünsch Euch und Ihnen allen einen unvergesslichen Tag, eine schöne Feier und für die Zukunft alles Gute. Es wartet eine spannende und erlebnisreiche Zeit auf Euch, in der die Weichen für Eure Zukunft gestellt werden. Ich bin sehr gespannt, welche Lebenswege Ihr einschlagen werdet und hoffe sehr, dass wir uns in den kommenden Jahren noch öfter begegnen werden – sei es hier in Limbach-Oberfrohna, in Dresden oder ganz wo anders.  

Jan Hippold MdL am Rathaus der Stadt Limbach-Oberfrohna